Ich wollte wissen, was möglich ist, wenn man KI an einen kreativen Prozess heranlässt – fernab von UX-Oberflächen und meinem täglichen Doing bei Experience One.

Entstanden sind eine Single und eine 5-Track-EP, KI-assistiert vom ersten Lyric bis zum finalen Master, aufgenommen mit GarageBand zu Hause.

Spannend ist nicht „KI hat Musik gemacht“ – spannend ist, wo sie mich unterstützt hat:

PHASE 01 Lyrics: eigener Mistral-Agent mit Zugriff auf meine Songs aus der Vor-KI-Zeit. Mistral überzeugt hier durch die Fähigkeit chirurgischer Eingriffe auf der gemeinsamen Text-Canvas. Denn letztlich geht es wirklich ums Detail: ein Wort oder der Sprachrhythmus.

Pro Song bringe ich Struktur (Takte, Tonart, Akkorde) und das Thema mit. Der Agent hilft im Gespräch bei Metaphern, Variationen und bewussten Brüchen mit der Erzählung. KI als Co-Autor.

PHASE 02 Produktion: diesmal mit ChatGPT, da das „Weltwissen“ besser zu meinen Fragen rund um Akkordfolgen, Tonarten, Songstruktur oder der Instrumentierung passt. KI als Berater.

Meine Frage

Beratungs-Impuls

„Doppel-Vocal – wie?“

Main + Ghost statt hartes L/R.

„Welcher Snare-Charakter?“

Papery & fliegend oder bauchig & warm.

„Vocal-Vorbild: DIIV oder Alvvays?“

Zwei benachbarte Welten im Dream-Pop.

PHASE 03 Aufnahme: Zero KI, alle Instrumente von Hand. Ich habe Suno und Co. probiert, allerdings aufgrund fehlender Präzision was Tonart, BPM, Groove usw. angeht verworfen. Heißt nicht, dass diese Tools schlecht sind, nur einfach nicht passend für meinen Use-Case. Das Generieren ganzer Songs liefert in diesen Tools zuweilen faszinierende Ergebnisse, der KI jedoch beizubringen, auf meinem Drum-Track zu grooven ist verdammt schwer. KI bleibt erstmal draußen.

PHASE 04 Mixing: meine Ohren, meine Entscheidungen – aber jedes Problem („Vocal dumpf“, „Snare scharf“, „Gitarre überdeckt die Lead Vocals“) wurde zu einem Gespräch. Dabei hat die KI meinen Geschmack nicht ersetzt. Sie hat vielmehr die Schleife zwischen „da stimmt was nicht“ und „so geht’s“ verkürzt. KI als Sparringspartner.

Netter Nebeneffekt: Ich habe alle meine Chats exportiert und Claude gebeten, ein Buch „zu binden“. Am Ende verteilen sich meine Mixing-Notizen auf satten 110 Seiten. Auf dieses geballte Wissen griff ich während der Produktion der beiden EPs immer wieder zurück – und werde ich sicher auch weiter verwenden. Dann aber angeschlossen an einen Mistral-Agenten.

PHASE 05 Mastering: Steuer komplett abgegeben, Ozone-KI hat übernommen.

[Ozone delivers] masters that are both louder and more dynamic, while also reaching into the tone, dynamics, and individual instruments within the mix.

Will Borza, GRAMMY-recognized Mastering Engineer (The Black Keys, The Lumineers, The Smashing Pumpkins)

Hier meine drei Key-Learnings

Berater-KIs müssen unterbrechbar sein

Produktionsfragen kamen in Wellen und sprangen zwischen Themen. Der Prozess ist höchstdynamisch, doch durch Reibung im Gespräch bleibt das mentale Modell der Songs jederzeit komplett greifbar.

Partner-KIs brauchen den Kontext der Nutzer

Der Lyric-Agent hat funktioniert, weil er meine älteren Songs kannte. Generischer Stil produziert generischen Output. Persönliches Wissen ist Key.

Delegation funktioniert, wenn das Ziel messbar ist

Mastering hatte klare Ziele (LUFS, Peak, Übersetzbarkeit auf unterschiedlichen Endgeräten). Wo Erfolg klar definiert ist, ist volle KI-Autonomie OK — in meinem Fall war sie sogar besser als ich.

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